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Odessa und die ukrainische Schwarz-meerküste

Nach einer kurzen Fahrt entlang des Schwarzen Meers erkundeten wir das schöne Odessa, bevor es weiter zur Fähre ging.

Bar in Odessa. 

Priority boarding am Grenzübergang 

Von etlichen Horrorgeschichten aus Reiseblogs aufgeschreckt warteten wir besorgt am Grenzübergang von Moldawien in Richtung Ukraine. Schließlich wurden wir nach zehn Minuten Warten, einem kurzen Blick ins Wohnmobil und einer blitzschnellen Passkontrolle weiter komplimentiert. Dabei durften wir drei russische Fahrer überholen, deren Abfertigung schon jetzt deutlich länger gebraucht hatte - wohl wegen des schwelenden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine.

Mal wieder erwies sich der deutsche Pass als Türöffner.

Ukrainisches Dorf nahe des Schwarzen Meers. 

Danach entspannten wir uns auf einem schönen, an einer Bucht gelegenen Campingplatz. Auf der anderen Straßenseite war der Strand zum Schwarzen Meer. In der Bucht lag ein altes Hausboot mit Hotel.

Von außen mondänes, innen etwas in die Jahre gekommenes Hausboot mit Hotel. 

Die Anlage wirkte improvisiert, aber die Atmosphäre war locker und die Mitarbeiter total nett. Der Hoteldirektor lief ganztägig in freiem Oberkörper mit Goldkreuz an der Halskette rum. Der Campingplatzbesitzer zeigte uns stolz sein ausgebautes und mit kitschigen Gardinen verziertes Wohnmobil.

Eine jüngere Hotelangestellte, die Englisch sprach und in Odessa studierte, langweilte sich wohl. Bei jedem Spaziergang mit dem Hund der Chefin besuchte sie uns am Wohnmobil. Sie verstand nicht, wieso wir überhaupt in die Ukraine reisen ("What the hell are you doing here? It's ugly!")

Je mehr höfliche Komplimente wir über ihre Heimat machten, desto mehr lästerte sie in ihrer witzigen ironischen Art über alles mögliche: Die Hoteleinrichtung sei zu alt, ukrainisches Essen schmecke nicht und Odessa sei zu groß...

Unterwegs im mondänen Odessa

Odessa zog mich hingegen vollends in seinen mondänen Bann. Unsere Berliner Bekanntschaften waren weniger beeindruckt und hatten die Assoziation "Ostseebad Binz".

Opernhaus von Odessa. 
Ukrainische Flagge in Odessa. 

Ich war begeistert von den prunkvollen Gebäuden und dem guten Essen allernorts.

Endlich mal vegetarische Kost: Gefüllte Nudeln (Vareniki) mit Kirschen. Es gibt sie auch herzhaft mit Käse-, Kartoffel- oder Fleischfüllung.

Frischer Shopskasalat. 

Die Partymeile am Strand mit Leuchtreklame und Eurodance-Beschallung  sowie dazu passendem Club Ibiza mieden wir großflächig.

Klösterliche Kleiderordnung

In einem orthodoxen Kloster musste ich mich erstmal wieder an die hiesige Kleiderordnung gewöhnen. Eine uralte Wächterin am Eingang wickelte mich in einen Rock ein, nachdem sie mich auf Ukrainisch ermahnt hatte. Ans Kopftuch hatte ich immerhin gedacht.


Marienstatue vor Kirche in Odessa. 

Dass wir aus Deutschland kommen, fand sie super und redete mit ein paar Brocken Deutsch sowie diversen deutschen Städtenamen auf uns ein. Dass ich "Lutherani" bin, gefiel ihr wiederum gar nicht. Mit einem Kopfnicken gewährte mir die plötzlich schweigsam gewordene Türsteherin dennoch Eintritt in die heiligen Hallen.

Orthodoxe Kapelle in Odessa. 

Fazit: Odessa lohnt sich auf jeden Fall für einen Städtetrip. 

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