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Armenien - Mit dem Wohnmobil durch das Land der 1000 Farben

Sewansee. Die Berge erinnerten mich an Elefantenfüße. 

Was ein faszinierendes Land! In Armenien gibt es alle paar Kilometer wunderschöne Kirchen und Klöster zu sehen, unberührte Natur, wilde Flüsse und atemberaubende Bergwelten. Und noch nie hatte ich im Herbst so viele schöne Farben gesehen wie in Armenien.

Friedhofskapelle von innen. 

Blick vom Kloster Odzun bei Georgien. 

Abschottung und Konflikte

Jedem Grenzübergang haftet eine Spur von Abenteuer an. Es wird aber auch sichtbar, wie Staaten sich nach außen abschotten. Nirgendwo war dies so deutlich wie in Armenien: Von Aserbaidschan mussten wir nach Georgien fahren, um nach Armenien einreisen zu können. Dasselbe erwartet uns auf dem Weg in die Türkei. 

Armenien und Aserbaidschan führen einen sogenannten kalten Konflikt über die Region Bergkarabach, das von Armenien besetzt wird. 

So kalt kann der Konflikt jedoch gar nicht sein, da immer noch geschossen wird. 

Vorbei an Bergkarabach 

Die Militärpräsenz bei Bergkarabach war enorm.


Blick auf Bergkarabach, umkämpft von Armenien und Aserbaidschan. 

Die Bundessraße auf dem Weg nach Tatev ist eingegekesselt zwischen Bergkarabach im Osten und der aserbaidschanischen Enklave Nachitschewan im Westen. Wir sahen dort etwa 100 Militärfahrzeuge sowie einen Militärflugplatz. Viele Straßen in Richtung Bergkarabach waren durch Kontrollposten gesperrt.



Unterwegs zwischen Bergkarabach und Nachitschewan. 

Neben iranischen Tanklastern und einem chinesischen Wohnmobil waren wir die einzigen Verrückten, die mit ausländischem Kennzeichen im Grenzgebiet unterwegs waren. 

Natürlich darf man keine Militärs fotografieren. Dieser Schnappschuss gelang mir aus Versehen, als ich die Schafsüberquerung auf der Straße dokumentierte. 

Mir war schon ein bisschen mulmig zu Mute, als wir wegen diverser Herden und Baustellen im Stau warten mussten.

Schweizer Seilbahn im Kaukasus

Am Schluss wurden wir mit einem armenisch-schweizerischen Vorzeigeprojekt belohnt: Wir schwangen uns in einer 6 km langen Seilbahn, hinweg über bis zu 320 Meter tiefe Schluchten, zum Kloster nach Tatev. Unvergesslich!


Die Seilbahn bei Tatev und ich in der Gondel. 

Darauf folgte eine fünf Kilometer kurze Wanderung - mehr ist in den Höhen des Kaukasus bei uns nicht mehr drin!

Kloster Tatev. 

Zu Tisch bei Viktoria 

Auf dem Rückweg übernachteten wir bei Vayk am Restaurant Viktoria neben einem naturbelassenen Fluss. Die Fische auf dem Teller lebten kurz vor dem Servieren noch in einem Käfig im Fluss.

Blick vom Restaurant Viktoria auf den Fluss bei Vayk. 

Nach dem pompösen Essen lud uns die Besitzerin zu Torte ein, damit ihre Töchter Englisch üben konnten. Ein kurzer Tanz mit einer Gesellschaft feierwütiger Lehrer ließ sich auch nicht abschlagen. Der Herr Direktor hatte auf die Tanzfläche gebeten, wo das Kollegium den Internationalen Lehrertag feierte. Cooler Betriebsausflug!

"Benzin? - Diesel!" 

"Voll 90er" war die Zapfsäule einer Tankstelle bei Jeghegnadsor. Aufgrund der original deutschen Beschriftung glaubten wir zunächst nicht, dass Diesel rauskommen würde.

Zapfsäule mit DIESEL. Verwirrend! 


Improvisation in der Werkstatt

Eine Autopanne hatten wir dann zwar nicht wegen falscher Betankung, dafür machte es plötzlich "Krach!" und das Kupplungsseil war gerissen. 

Autopanne mit Aussicht. Hier krachte es. 

Zum Glück rollten wir gerade bergab, und zwar schnurstracks in Richtung einer Traktoren-Werkstatt. Das war gerade richtig für den alten Fiat!

Während wir in Deutschland mindestens eine Woche lang auf das Original-Ersatzteil gewartet hätten, schweißte der findige Mechaniker an Stelle des fehlenden Teils eine Schraubenmutter an. Ein Soldat beobachtete das Geschehen.

Verständigung gelang nur über Pantomime bzw. redete der Mechaniker einfach auf Russisch mit uns, obwohl wir zu verstehen gaben, dass wir nichts verstehen. Ein häufiges Phänomen im Kaukasus.

Reparatur des Kupplungsseils. 

Trotzdem hat alles geklappt. Nach einer Stunde ging es weiter.

Schwätzchen auf Deutsch

In Armenien sprachen wir mal wieder viel Deutsch: Wir trafen drei Busreisegruppen (eine sogar aus Diez und mit vertrautem Dialekt) sowie drei Weltreisende, die mit ihren Jeeps gerade aus Mauretanien und der Westsahara kamen. Ein zwangsweise aus dem Rheinland rückgewanderter Armenier war ebenfalls froh, seine zweite Sprache mit uns sprechen zu können.

An dieser Schlucht trafen wir die mutigen Weltreisenden. 

Nach Wochen der Kommunikation mit Händen und Füßen war es schön, sich mal wieder ausgiebig unterhalten zu können. 

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