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Irans Süden mit dem Taxi: Yazd, Schiras und Persepolis

Meine erste Wüste sah ich im Süden des Irans. Hier konnte ich auch reichhaltige Architektur bestaunen, immer begleitet von den Werberufen der geschäftstüchtigen Tourguides, Taxifahrer und Gastronomen.

In der Wüste Dasht-e lut. 


Mit Chauffeur durch den Iran

Die Fahrten auf der Strecke von Yazd über Persepolis nach Schiras unternahmen wir mit dem Privattaxi. Klingt nach Saus und Braus, war aber durch den Benzinpreis von 8 Cent pro Liter zumindest für Westler leistbar und ersparte strapaziöse Busfahrten.


Nur eine Woche nach dieser Tour wurde der Benzinpreis erhöht, was bekanntermaßen Anlass umfangreicher Proteste im wirtschaftlich gebeutelten Land war. Bei den Aufständen kam es durch das harte Eingreifen der Regierung zu über 100 Todesfällen, auch von Kindern. 

Wir waren also in einer Phase der Ruhe vor dem Sturm unterwegs, was ich in meinem Beitrag über Teheran näher beschreibe. 


Oasenstadt in der Wüste

Auf dem Weg von Isfahan in Richtung Süden tauchte mitten in der Wüste plötzlich die riesige Lehmfestung Meybod auf. Noch beeindruckender war jedoch das dazugehörige Städtchen: Lehmhäuser reihten sich an Gärten, üppige Granatapfelbäume ließen ihre schwer behangenen Äste über die Lehmmauern hängen. Großartig!

Blick von der Festung Meybod.

Werbung auf den Straßen von Yazd

Hier wäre ich gerne länger geblieben als in Yazd, wo uns alle paar Minuten jemand etwas verkaufen wollte. Ein Taxifahrer pries uns bei seiner Fahrt durch den verrückten Verkehr diverse Ausflugsziele an, weshalb er fahrenderweise im Handy nach passenden Bildern suchte.

Vor den touristisch neuralgischen Punkten boten Fahrer und Tourguides ihre Dienste an und vor den vielen sich eng aneinander reihenden Cafés, die oft erstaunlich deckungsgleiche Angebote hatten, warben schon Kinder lautstark um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden.

Man muss dazu sagen, dass Touristen wie wir in dem durch Sanktionen heftig erschütterten Land natürlich eine der wenigen sicheren Einnahmequellen darstellen. Bei so viel Armut und Unsicherheit kann ich es verstehen, wenn wir den Menschen unheimlich reich vorkamen und sie uns umwarben.

Heilige Stätten in Yazd

Die Altstadt von Yazd mit ihren verwinkelten Gassen und Lehmhäusern und den bunten Mausoleen und Moscheen, die teilweise bis zum Kitsch glitzerten, waren wirklich sehenswert. Wie es die Bewohner jedoch schafften, durch das enge Gewirr in hohem Tempo mit Autos um die Ecken zu heizen, war mir ein Rätsel. Die vielen Mopeds, die teilweise mit bis zu drei Personen besetzt waren, machten das Fortkommen schon leichter.

Moschee in Yazd. 

Den Hype um den Dowlat Abad-Garten verstand ich erst, als ich den Gartenpavillon betrat. Die bunten Glasmosaik-Fenster waren nicht etwa als historische Attraktion interessant, sondern als Hintergrund für Insta-Fotos. Und so standen Horden junger Frauen Schlange, um davor gekonnt zu posieren.

Windturm im Dowlat Abad-Garten. Eine historische und klimaneutrale Klimaanlage, die nur mit Wasser und Wind arbeitet. 

Ich ließ mich anstecken, versuchte es aber weniger professionell und weniger instagramable vor statt in dem Pavillon.

Im Dowlat Abad-Garten von Yazd. 

Instagram im Iran? Klar, das ist sogar offiziell erlaubt und sehr beliebt. Schönheitskult ohne Text lässt sich also voll ausleben. Facebook hingegen ist zwar gesperrt, es gibt jedoch VPN-Clients, die die Zensur umgehen helfen.

Tee im Dowlat Abad-Garten von Yazd. Er wird gerne mit super süßen Safran-Zuckerstangen serviert. 

Das ewige Feuer

Ein weiterer Instagram-Hotspot: Der noch aktiv genutzte Feuertempel der Zoroastrier. Mal Nietzsches Hauptwerk gelesen? Genau um den Zarathustra dreht sich diese vorchristliche monotheistische Religion. Der heiligste Inhalt des Tempels, ein ewig brennendes Feuer, war weniger instagramable, da die Glasscheibe davor spiegelte.

Ewiges Feuer? Das ewige Licht der Katholiken also ein Remake der Zoroastrier? Ich war schockiert.

Der Feuertempel der Zoroastrier in Yazd. 

Ihre Toten ließen die Zoroastrier früher übrigens von Geiern auffressen, was zwar sehr nachhaltig, aber inzwischen verboten ist. Die Bestattungsstätte, genannt Turm des Schweigens, ist eine viel umworbene Hauptattraktion von Yazd, war aber  zeitlich nicht mehr drin.

Sonnenuntergang in der Wüste

Der Wüstenspaziergang bei Yazd hatte etwas von Strandurlaub ohne Wasser. Es machte großen Spaß, durch die Dünen zu stapfen und den herrlichen Sonnenuntergang zu genießen.

Sonnenuntergang in Dasht-e Lut. 

Eine Gruppe Iranerinnen nutzte die Einöde zum Fotoshooting ohne Kopftuch. Sie zwinkerten mir freundlich zu, als ich es ihnen gleichtat. Viele Familien saßen derweil zum Picknick zusammen, gut ausgerüstet mit Teekannen und frischen Speisen.

Die Straßen des Iran

Eine Fahrt im Iran ist übrigens nichts für schwache Nerven! Rasen, Drängeln, ganz knapp Überholen, haarscharf an Fußgängern und anderen Gefährten vorbei Manövrieren - alles geht, wenn man nur vorher hupt (gerne auch Lichthupe). "It is a jungle,," sagte uns eine Iranerin in Isfahan, die sich - Oma und Kind eingehakt - über einen viel befahrenen Zebrastreifen kämpfte.

Das alte Persepolis

In der Türkei hatte ich etliche antike Ruinen gesehen, deren frühere Bedeutung und Größe für mich als Laie nur sehr schwer vorstellbar waren. Nicht so im teilweise sehr gut erhaltenen Persepolis, das noch immer als alte Hauptstadt erkennbar war.

Nein, das ist nicht das antike Persepolis, aber die Fressmeile am Eingang. 

In der Königsstadt Persepolis. 

Wenn ich morgens aufwache, sehe ich auch ungefähr so aus wie diese Figur in Persepolis.


Die Motive der sehr sehenswerten Reliefe in Persepolis wiederholten sich. Besonders beliebt: Löwe frisst Ochse und Krieger mit Speeren und Köchern. 

Schiras - Ein Ort wie ein Gedicht

Ich alte ungebildete Eurozentristin hatte noch nie etwas vom weltberühmten persischen Dichter Hafis gehört, war aber trotzdem beeindruckt von seinem Mausoleum mit angrenzendem Garten in Schiras.


Im Garten vor dem Mausoleum des Dichters Hafis in Schiras. 

Die Menschen - Jung und Alt - strömten zu Hauf zum Sarkophag, berührten ihn und beteten teilweise leise. Der Poet wird also nach wie vor rezipiert und hoch verehrt.

Wunderschöner Garten Bagh-e Eram in Schiras. 

Totenverehrung

Zwei bedeutende Schreine von Nachfahren des Propheten Mohammed lassen sich ebenfalls in Schiras besuchen: Die schiitischen Pilgerstätten von Schah Tscheragh und Imamzadeh-ye Ali Ebn-e Hamze. 



Der Schrein von Imamzadeh-ye Ali Ebn-e Hamze von außen. 

In sehr respektvoller Weise werden Nicht-Muslime (oder vielmehr Leute, die sich suchend umschauen und kein Persisch sprechen können) von Freiwilligen kostenfrei durch die Anlagen geführt. Der Tschador ist dabei für Frauen Pflicht und wird bereit gestellt. Nette Mitarbeiterinnen oder Moscheebesucherinnen helfen ungeschickten Touristinnen gerne beim Anziehen. 

Besuch des Schreins Schah Tscheragh in Schiras. Den Namen merkte ich mir aufgrund eines berühmten französischen Politikers, was wahrscheinlich völlig falsch ausgesprochen ist. 

Gläubige pilgern zu den heiligen Stätten, beten zu Allah, berühren und küssen die Sarkophage und spenden Geldmünzen, wenn ihre Gebete erhört wurden. Kommt mir irgendwie bekannt vor? 

Ich beschäftigte mich nicht weiter mit Vergleichender Religionswissenschaft und bewunderte die blauen Mosaike und bunten Glasfenster der Schreine und Moscheen.


In der Nasir-ol-Molk-Moschee gab es innen wie außen einiges zu bestaunen. 

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