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Von Lissabon nach Coimbra - Mit dem Fahrrad auf dem Caminho Português 2

Die erste Etappe des Portugiesischen Jakobswegs (Caminho Português) bot alles: Mittelalter und Moderne, Naturlandschaft und Industrie, Schönheit und Hässlichkeit.

Hier hätte ich auch gerne studiert: Universität Coimbra. 

Wie sich  die Welt verändert

Weniger schön waren die ersten drei Tage. Nach meinem Start in Lissabon (hier) fuhr ich streckenweise durch Industriegebiete, vorbei an Fabrikhallen, Kraftwerken und intensiver Landschaft. So hatte der Weg im Mittelalter bestimmt nicht ausgesehen! Zum Glück konnte ich mit dem Rad schnell daran vorbei fahren.

Feld und Industrie bei Lissabon. 

Für Fußpilger kein Problem, für Radpilger nervig: Viele Bahnhöfe mit meist defekten Aufzügen mussten überquert werden.

Anstrengend, wenn man hier ein Rad mit Satteltaschen runterschleppen muss.

Die wundersame Rettung

Geschwächt von meiner Lahnsteiner Erkältung radelte ich eher unsportlich. Erst als mich ein Läufer gleich dreimal überholte, trat ich etwas beherzter in die Pedale.

Gas geben musste ich auch, wenn mal wieder ein aggressiver Hofhund kläffend hinter mir herlief. "Beißen die?" fragte ich einen Herbergsvater. "Immer mal wieder," war die Antwort, die ich nicht hören wollte.

Am dritten Nachmittag wurde mir mein neuer Ehrgeiz zum Verhängnis. Bei regenverhangenem und dunklem Himmel sowie matschigem Jakobsweg versuchte ich, auf die Landstraße auszuweichen. Die erschien mir jedoch zu eng und zu stark befahren. Völlig erschöpft von den vielen Steigungen des Tages hätte ich die 14 Kilometer zur nächsten Herberge in Alvaizera nicht mehr geschafft.

Nachdem ich mich bergauf durch drei menschenleere Bergdörfer gequält hatte,  retteten mich zwei ältere Herren, die mich und mein Rad sechs Kilometer weiter brachten und mir somit die Landstraße ersparten.




Ein Mountainbike braucht man schon, wie auf den unteren beiden Bildern zu sehen ist. 

Die zweite Rettung kam durch einen Automechaniker, der mir in seiner Werkstatt in einem winzigen Dorf einen Platten reparierte. Ein Glück!

Alleine im Heiligen Gnadenhaus



Hier im Santa Casa da Misericordia (in etwa: Heiliges Gnadenhaus) in Santarém war ich ganz alleine. 

Am Portugiesischen Jakobsweg finden sich zahlreiche kirchlich getragene "Heilige Gnadenhäuser", die schon im Mittelalter als Pilgerherbergen dienten und heute teilweise als Senioren- und Flüchtlingsheime oder Krankenhäuser genutzt werden. 

In Santarém war ich in so einem Gnadenhaus ganz alleine - nur aufgeschreckt durch die Geräusche der Nachbarn. Ganz schön unheimlich! 

Auch in Hostels oder privaten Herbergen war es im Januar bisweilen komplett leer. Deshalb waren auch viele Gebäude gar nicht beheizt und ich fror ganz schön. 


Baden ist gerade nicht drin. Gesehen bei Lissabon. 

Aber wer hat erwartet, dass Pilgern einfach wäre? Ein bisschen Verzicht und Kontemplation tat mir gut. 



Der freakige Herbergsvater in Alveiazere zauberte gleich drei kunstvolle Stempel in die Credencial, also den Pilgerpass. 


Coimbra, warum bist du so hügelig? 

Im Hostel in der alten Universitätsstadt Coimbra blühte dann wieder das Leben. Die Straßen hingegen waren abends wie leergefegt. 

Zusammen mit meinen Zimmergenossen erkundete ich die altehrwürdige Universität und eine etwas eigenartige Mischung aus Wissenschafts- und Jesuitenmuseum mit jeder Menge ausgestopfter Tiere. 



Kloster Santa Clara-a-Nova in Coimbra.

Vom Kloster Santa Clara-a-Nova aus hatte man einen herrlichen Blick auf Coimbra. 

Der einzige Nachteil der pittoresken Stadt: Ihre Lage auf steilen Hügeln,wodurch man ständig auf- und absteigen muss. 

Doch das sollten nicht meine letzten Höhenmeter auf dem Caminho Português sein, wie man hier nachlesen kann... 

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